Ohne Limit
Macau, das neue Monte Carlo des Ostens, boomt. Poker, Roulette und Sic Bo verschmelzen auf angenehmste Weise mit portugiesischer und chinesischer Tradition. Ein asiatischer Schmelztiegel voller Spielfreude und kultureller Vergangenheit.
Mr. Wong, nennen wir ihn einmal so, besucht die zahlreichen Casinos seiner Heimat
Macau eigentlich nie, so wie die meisten Einwohner dieser Stadt. Mr. Wong ist ein
Self-Made-Man und macht Geschäfte in der Reinigungsbranche, sieben Tage die Woche,
365 Tage im Jahr, wenn alles glatt läuft. Mit seinem kleinen Motorrad und allerhand
Equipment bringt er Autos wieder auf Hochglanz. Die Bewohner eines Viertels oder eines
Straßenzugs beauftragen ihn mit der Reinigung ihrer Fahrzeuge. Nach Beendigung der
Prozedur klappt "Mr. Wong" die Scheibenwischer auf, als Zeichen: Dieser Wagen ist
gesäubert. So hat sich Mr. Wong einen festen Kundenstamm von etwa 100 Personen erworben,
was so viel bedeutet wie 100 Autos waschen, jeden Tag, von früh morgens bis spät abends.
Der Lohn der harten Arbeit etwa 18000 Pataca, ungefähr 1800 Euro. Mr. Wong nimmt sein
Glück selbst in die Hand.
Die meisten Besucher und Touristen, die Macau, die Stadt an der Mündung des Perlflusses
besuchen, wollen ihrem Glück andersweitig auf die Sprünge helfen. Die ehemals unter
portugiesischer Kolonialherrschaft stehende Halbinsel Macau mit seinen heute etwa
500 000 Einwohnern ist seit 1999 Sonderverwaltungsgebiet der Volksrepublik China.
Heute misst die Fläche des Gebietes inklusive der Inseln Taipa und Coloane 28,2
Quadratkilometer.
City of Dreams
Das Glückspiel etablierte sich in Macau schon frühzeitig, die ersten Casinos wurden 1847 genehmigt. Heute bieten 26 Casinos ein schier unerschöpfliches Spiel-Repertoire. Ob Poker, Roulette, Black Jack oder auch Sic Bo, Gambling-Freunde können in Macau 24 Stunden rund um die Uhr ihr Schicksal herausfordern. Ein spezielles chinesisches Spiel, das man auf jeden Fall einmal ausprobieren sollte, ist Sic Bo, auch als Tai Sai bekannt. Traditionell wird mit drei Würfeln gespielt, die sich in einem geschlossen Glasgefäß befinden und auf Knopfdruck automatisch gemischt werden. So präsentiert sich das Spiel im größten Casino der Welt, im Venetian-Macau-Resort-Hotel mit seinen 700 Spieltischen und 3000 Suiten. Setzt man beim Sic Bo auf "Big Bet," gewinnt man, wenn die Augenzahl der Würfel zwischen 11 und 17 liegt. Die Auszahlung erfolgt eins zu eins. Wer das schnelle Geld machen will und wem die Glücksfee beiseite steht, kassiert bei einem "Straight Triple Bet", also einem Dreierpasch, den 150fachen Einsatz. Das Venetian-Macau-Resort-Hotel mit seinem beeindruckenden Casino befindet sich auf dem Cotai-Strip, eine aufgeschüttete Fläche zwischen den Inseln Coloane und Taipa, daher auch der Name Co-(loane)-Tai (pa)-Strip. Hier entstehen zurzeit eine Reihe neuer luxuriöser Hotels und Casinos. Im Jahr 2009 soll der gigantische Mega-Komplex "City of Dreams" am Cotai-Strip seine Pforten öffnen. Erstmalig auf der Welt kann man dann in einem Unterwasser-Casino nach dem ultimativen Gewinn fischen. Übrigens der Eintritt zu den Casinos ist immer frei und kostenlose Shuttlebusse vom Fährterminal oder auch vom Flughafen bringen die Gäste geradewegs zur gewünschten Glücksspieldestination, ob nun ins Casino Lisboa, Babylon, Wynn oder auch Sands. Macau und die Welt der Roulette- und Baccarat-Tische boomt wie sonst kaum eine andere Metropole auf dem Globus. Inzwischen haben die Glücksspieleinnahmen Macaus die von Las Vegas überholt. Galaxy, MGM, Venetian Macau und andere Investoren stecken Milliarden US-Dollar in funkelnde Casino-Hotels. Natürlich hat auch Stanley Ho, der legendäre Casinokönig von Macau, bei den neuesten Hotel- und Casino-Projekten seine Hände im Spiel. Das in der Innenstadt von Macau flimmernde Grand Lisboa, verdanken wir ihm. In Form eines überdimensionalen Eies, in Asien ein Symbol für Spielglück und Reichtum, gestaltet, verwandelt sich das Casinogebäude bei Nacht in einen überdimensionalen Bildschirm mit bunten Videoanimationen. Drinnen sorgen über 240 Spieltische und hunderte Spielautomaten ebenfalls für kurzweiliges Vergnügen.
Vulkanausbruch hausgemacht
Wer mit der Schnellfähre, diese benötigt nur 45 Minuten für die Strecke Hong
Kong - Macau, am Terminal in Macau ankommt und einen kurzen Weg zum Hotel bevorzugt,
findet am Fisherman's Wharf eine illustre Gesellschaft von nachgebauten, europäischen
Gebäuden sowie ein im victorianischen Stil erbautes Boutiquehotel. Niederländische
Häuser treffen auf portugiesische Prachtbauten und für Liebhaber italienischer Kultur
wurde ein kleiner Nachbau des Colosseums errichtet. Deutlich befremdlicher und
durchaus gewöhnungsbedürftig ist der von weitem sichtbare 40 Meter hohe Kunst-Vulkan,
der täglich in Form einer Art Lichtshow eruptiert. Diese teils gelungene, teils an
Disney-World erinnernde Symbiose aus westlicher und östlicher Kultur ist am äußeren
Hafen von Macau zu bestaunen.
Doch Macau ist nicht nur Zockerparadies und Spielplatz für milliardenschwere
Investoren. Macau ist eine Stadt voller wunderbarer Gegensätze, hier kleine urige
Gassen mit Läden voller verstaubter Antiquitäten, dort eine Ansammlung von dutzenden
Hochhäuser, so nah aneinander gebaut, dass man dem Nachbarn getrost die geborgten
Hühnerbeine über den Balkon reichen kann. Aber kein Wunder, wenn man bedenkt, dass
Macau die höchste Einwohnerdichte der Welt für sich verbuchen kann, knapp gefolgt
von Monaco.
Doch von Hektik ist wenig zu spüren in den Straßen von Macau. Die Menschen scheinen
gelassen durch den Alltag zu gehen, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erfährt man
in unzähligen Situationen und trotz dichten Verkehrs bleibt das nervende Hupkonzert
aus. Man nimmt Rücksicht aufeinander. Dies liegt möglicherweise an dem besonderen
Flair der Stadt. Denn die einstige europäische Enklave versprüht den herrlichen Charme
portugiesischer Historie gemischt mit asiatischer Kultur und Lebensart. Streift man
durch den einzigartigen Lou Lim leoc Garten kann man diese kulturelle Symbiose optisch
wunderbar erfassen, gar spüren. Der im 19. Jahrhundert von Herrn Lou Kau errichtete
Landschaftsgarten mit Wohnhaus und Gästehalle gilt heute als einer der schönsten
öffentlichen Grünoasen Macaus. Klassisch chinesische Elemente wurden stilvoll verbunden
mit westlichen Elementen und nur einen Steinwurf entfernt kratzen Hochhäuser am
blauen Himmel. Ein Ort als Sinnbild für Geschichte und Moderne. Zwischen den liebevoll
angelegten Lotusteichen und den verschlungene Pfaden musizieren die einen, andere
üben sich in der Kunst des Thai-Chi.
Auf den Spuren James Bonds
Nach kleinen Spaziergang erreicht man, die vielleicht kürzeste Drahtseilbahn der
Welt. Für ein paar Pataca gelangt man in etwa einer Minute auf den bewaldeten Hügel
von Guia. Es ist die höchste Erhebung Macaus und Standort eines Forts aus dem 17.
Jahrhundert. Innerhalb der Anlage befindet sich eine hübsche kleine Kapelle, die
einzigartiges Kulturgut beherbergt. An den Wänden sind Reste von Fresken erhalten,
die christliche Engel in chinesischen Gewänder zeigen. In direkter Nachbarschaft
erhebt sich der älteste im westlichen Stil an der chinesischen Küste erbaute
Leuchtturm aus dem Jahre 1865, der auch heute noch als Orientierungspunkt für
manches Fischerboot dient. Allein für die grandiose Aussicht über ganz Macau sollte
man den Weg hier hoch in Kauf nehmen. Nun kann man verstehen, warum Macau als
Drehort für den James Bond-Streifen "Der Mann mit den goldenen Colt" gewählt wurde.
Wer "On-the-Top of Macau" will und einen unvergesslichen Panoramablick über die
Stadt an der Mündung des Perlflusses genießen möchte, der kann etwas wagen. Der
Macau-Tower ragt 338 Meter in den Himmel und trägt zurzeit noch den Titel "Eines
der 10 höchsten Gebäude der Welt". Von der Aussichtsplattform mit seinem
durchsichtigen Fußboden schweift der Blick über die gesamte Region, nur etwas
getrübt durch die rundum bestehende Glasfront. Deshalb entwickelten findige
Ingenieure den Skywalk X. Ohne schützendes Geländer, dem zugigem Wind ausgeliefert,
führt der einige Meter breite Steg in 233 Meter Höhe rund um den Macau-Tower.
Gesichert durch ein ausgeklügeltes System, wagt man einen Blick in die Tiefe oder
lässt über dem hunderte Meter tiefen Abgrund vergnüglich die Beine baumeln. Wessen
Adrenalinspiegel jetzt noch nach eine Steigerung verlangt, für den ist gesorgt.
Beim höchsten Bungyjump der Welt ist wirklich aller Mut gefragt, denn es geht mit
etwa 200 Stundenkilometer aus einer Höhe 233 Meter rasant hinab in Richtung Betonboden.
Erst 30 Meter vor dem drohenden Aufprall zieht es den Bungyjumper wieder in die Höhe.
Geschafft. Ein Thrill-Erlebnis ohne Gleichen.
Kulinarische Überraschungen
Eine Begegnung der feinschmeckerischen Art erfahren diejenigen, die sich dem fast grenzenlosen Angebot an dargebotenen Gerichten stellen und mutig zugreifen. Nicht immer ist für Europäer auf den ersten Blick erkennbar, welche Köstlichkeit sich in der Auslage oder auf dem Teller genüsslich ausbreitet. Probieren Sie ruhig den typisch chinesischen Fleisch-Snack, der überall in den Straßen zum Kosten gereicht wird und in großen dünnen Stücken erworben werden kann. Die Geschmacksrichtungen orientieren sich an den Fleischsorten, die über einem speziellen Grill gegart wurden und dadurch mehrere Wochen haltbar sind: Schweinefilet, Wildschwein, Rinderfilet mit schwarzem Pfeffer. Oder man unternimmt einen Ausflug in die Altstadt von Taipa, wandelt ein wenig durch die engen Gassen und speist danach in einem der kleinen Restaurants, die sich in der überschaubaren, von den Einwohner liebevoll genannten "Straße des Essens" befinden. Schnell fühlt man sich in einem der portugiesischen Lokale nach Südeuropa versetzt. An kleinen Tischen mit blau-weiß karierten Decken werden köstliche Weine und leckere Speisen aus Portugal serviert, während der surrende Ventilator für kühlende Frischluft sorgt. Eine familiäre Atmosphäre und eine süße Kleinigkeit zum Nachtisch vollenden einen gelungenen Abend. Wer es lieber chinesisch, laut und exotisch mag, sucht sich eines der großen Restaurants aus, die sich auf das Zubereiten eines chinesischen Fondues spezialisiert haben. An einem runden Tisch, in dessen Mitte sich ein Fonduetopf mit heißer Brühe befindet, werden ganz nach Wunsch der Gäste, die unterschiedlichsten Spezialitäten gereicht. Roher Hummer auf Eis, frische Austern, Fischbällchen oder auch hauchdünne, weiße Pilze finden reißenden Absatz bei der chinesischen Klientel, die sich lautstark an den Nachbartischen sättigen. Unsereins muss sich dagegen beim Fondue à la China nicht nur an den Umgang mit Ess-Stäbchen gewöhnen. Eine kulinarische Lehrstunde später, taucht man jedoch ganz entspannt, die vorher teils unbekannten Speisen in die kochende Brühe und genießt in vollen Zügen.
Prachtvolle Vergangenheit
Diese Gerichte eignen sich hervorragend für eine leichte Mittagsmahlzeit,
insbesondere, wenn noch einige Sehenswürdigkeiten auf dem Sightseeing-Plan für
den Nachmittag vermerkt sind.
Eine der Attraktionen und das Wahrzeichen Macaus ist die im Herzen der Altstadt
liegende majestätische Steinfassade der St. Pauls Kathedrale. Anfang des 17.
Jahrhunderts von Jesuiten aus Holz erbaut und mit einer massiven Front versehen,
war diese Kirche viele Jahrzehnte das zentrale Gotteshaus der Jesuiten in China.
Nach ihrer Vertreibung im 18. Jahrhundert wurde der Sakralbau als Kaserne genutzt
und brannte im Jahre 1835 vollständig nieder. Nur die prächtig verzierte Fassade
erinnert heute noch an dieses wohl einzigartige Bauwerk und ist zusammen mit der
imposanten Treppe ein sehr beliebtes Fotomotiv der Touristen. Folgt man der Treppe
hügelabwärts, gelangt man in die geschäftige Fußgängerzone Macaus mit international
bekannten Modegeschäften, Fast-Food-Läden und Souvenirshops. Schließlich endet der
Gang durch die Ladenmeile auf dem zentralen "Platz des Senats", dem Largo do Senado.
Der nur für Fußgänger zugängliche Platz mit seiner unverkennbar portugiesischen
Wellenpflasterung ist umgeben von eindrucksvollen Prachtbauten, wie dem Heiligen
Haus der Gnade. Zahlreiche Ruhebänke laden zu einer Pause unter schattenspendenden
Bäume ein. Eine Art Kiosk bietet kühle Getränke und einige wenige Sitzplätze.
Götter, Buddha und Wetten
Neben geschäftigen Einkaufsstraßen, glitzernden Casinos und portugiesischem
Kulturerbe sind auch zahlreiche Tempelanlagen aufzuspüren. Der schönste und
berühmteste Tempel Macaus ist der A-Ma Tempel gegenüber dem Maritime Museum.
Der taoistische Tempel gliedert sich in mehrere Gebetspavillons, die sich an einen
Hügel schmiegen und ist der Meeresgöttin Tin Hau gewidmet. Der älteste Teil der
religiösen Stätte stammt aus dem 16. Jahrhundert. Runde Tore verwehren den bösen
Geistern den Zugang zum Tempel und lassen gleichzeitig einen Blick auf den
vorbeifließenden Perlfluss zu. Auf dem kleinen Platz vor dem Heiligtum finden am
Wochenende farbenfrohe chinesische Löwentänze und portugiesische Tanzvorführungen
statt.
Diese kurzweiligen Darbietungen bieten einen Vorgeschmack auf eine Reihe von Festen,
die über das Jahr hinweg von der chinesischen Bevölkerung gefeiert und zelebriert
werden. Ausgiebig wird das "Fest des betrunkenen Drachens" begangen, hierbei danken
die Bürger dem Fabeltier für die Errettung der Menschheit. Es wird ausgelassen
getanzt, getrommelt und getrunken.
Trunken vor Freude sind manche Menschen, die beim Hunderennen in Macau auf die
richtigen Vierbeine gesetzt haben. Drei- bis viermal die Woche findet im Canidrome
eine Veranstaltung mit den schnellen Greyhounds statt. An einem Abends kann man bei
ungefähr 16 Rennen sein Wettglück versuchen. Sechs Hunde treten gegeneinander an,
beziehungsweise verfolgen ein rasendes Plüschtier. Der Wetteinsatz beträgt mindestens
10 Pataca, also ungefähr einen Euro. Wer den Einlauf der ersten beiden Tiere richtig
tippt, kann möglicherweise, je nach Quote, eine stattliche Summe mit nach Hause tragen.














